Was ist Paruresis?

Paruresis ist eine Angststörung, die dazu führt, dass Betroffene bei tatsächlicher oder gefühlter Anwesenheit anderer nicht urinieren können.

Was bedeutet es, an Paruresis zu leiden?

Wer auf öffentlichen Toiletten nicht pinkeln kann, der denkt ständig daran, wann und wo es wieder eine "sichere" Toilette geben könnte.

Instinktiv versuchen alle Betroffenen der Situation möglichst aus dem Weg zu gehen. Zunächst vielleicht, indem sie unterwegs weniger trinken, um nicht "müssen" zu müssen. Oder indem sie eine Feier frühzeitig verlassen, um dann wieder zuhause auf Toilette gehen zu können.

Bevor man sich versieht, beeinflusst die "schüchterne Blase" auch größere Lebensentscheidungen: Will ich diesen Job überhaupt annehmen, wenn ich dafür so viel reisen muss? Das Vermeiden von öffentlichen Toiletten führt schnell zu immer größeren Einschränkungen.

Du bist nicht allein!

Paruresis ist ein ziemlich intimes Thema, über das man nicht so einfach sprechen kann. Daher ist dieses Problem auch so wenig bekannt, obwohl es tatsächlich weit verbreitet ist. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass 3% der Bevölkerung - oder 1,5 Millionen Menschen in Deutschland - an einer behandlungsbedürftigen Paruresis leiden. Darunter übrigens sowohl Männer als auch Frauen.

Wer gilt als betroffen?

Ob du von Paruresis betroffen ist, hängt davon ab, inwieweit du dich durch deine Angst vor öffentlichen Toiletten einschränkst. Eine erste Einschätzung dazu kann der Paruresis Selbsttest bieten.

Wie kann ich meine Paruresis überwinden?

Der einzige Weg, der erwiesenermaßen zu einer Besserung bei Paruresis führt, ist eine kognitive Verhaltenstherapie.

In einer solchen Therapie durchlaufen Betroffene, vereinfacht gesagt, zwei Prozesse:

  1. Hinterfragen der Gedanken: Sind meine Ängste gerechtfertigt? Was ist eine angemessenere Sichtweise auf mein Problem?
    • Gedanke: Wenn andere mitbekommen, dass ich nicht pinkeln kann, ist das total peinlich.
    • Hinterfragen: Interessiert es andere überhaupt, ob es "bei mir läuft"?
    • Neue Sichtweise: Wahrscheinlich bekommt es keiner mit, ob ich bereits uriniere oder nicht, weil es niemanden interessiert. Selbst wenn es doch jemand wahrnimmt, wird sich die Person nichts weiter dabei denken.
  2. Anpassen des Verhaltens an die neu gewonnene Sichtweise: Behutsame Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen.

Das Selbsthilfeprogramm von WeMingo basiert auf diesen Ansätzen und wurde speziell für Menschen mit Paruresis entwickelt.

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